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Für Auge & Ohr...

 

Die Schwalben sind wieder "auf heim an" (Richtung Heimat) am fliegen. Ich stehe auf dem Balkon und schaue ihnen nach. Stelle mir Marokko vor – wie jedes mal, wie jedes Jahr – und träume, ich wäre da. Die Tage werden kürzer und länger die Nächte. Noch gut einen Monat bis es nachts wieder friert. Auf einmal wird mir klar, und das war noch nie da: Will nicht mit dieses Mal. Das liegt wohl an dir. Da, wo du bist, ist der Nabel der Welt. Weiß jetzt, was mir all die Jahre gefehlt. Dein Herz ist ein "Neumarkt" (Größter Platz Kölns), deine Krallen sind spitz, und wenn ich falle, dann bist du mein Netz. Dich halte ich fest, dich lasse ich nicht mehr los. Da, wo du bist, bin ich endlich zuhause. Hätte ich das bloß paar Tage früher gewußt! Zugvögel lassen sich nicht irritieren. Die spüren, wo es langgeht, das haben die im Blut. Richtung Nordafrika wäre wunderbar – leise habe ich den Lockruf gehört

 

 

Es bleibt länger hell jetzt – obwohl: Es ist immer noch Februar. Ein Winter hier ist ausschließlich lästig, wie der Matsch, der als Schnee aus schweren Wolken seinen Weg nahm. Tänzerinnen, nebenbei – nur um zu sterben hier auf dem lauwarmen Asphalt. Kamikaze in einer Stadt, wo jeder Hilferuf bloß ungehört verhallt. Alexandra, gib es zu: Manch einer fühlt sich hier im Stich gelassen. Alexandra, nicht nur du. Mir fällt eine Straße ein, die von Ostende bis Mekka quer durch Europa als E5 führt. Weiter war ich noch nie. Trotz all der Briefe, die ich geschrieben und nie abgeschickt, doch für die du - "Entschuldigung!" - Nachporto zahlen mußtest. All die Errol Flynn-Visionen – für jede einzelne täte es sich lohnen. Sensationen meine ich, nicht Madame Toussaud! Du gabst mir Brot und Spiele, Alexandra, ich weiß schon. Du fühlst dich wie ein ausrangierter Weihnachtsbaum nach Neujahr. Wie eine Affeninsel einzusehen stand ich vor dir und Auge in Auge konnte ich dich lesen wie ein aufgeschlagenes Buch. Es tut mir leid davon zu singen, bloß auf Dauer, Alexandra, war das auch wohl nicht genug. Alle Zeremonien, Beschwörungen und Rituale, deine Cohen-Platten, Jacques Brél-Sampler und Spaziergänge im Regen. Dann die rührenden Versuche, abzuschütteln die Tristess, die waren aussichtslos, die brachten es wirklich nicht. Denn eines ist sicher wie das Amen: Daß wo so viele Kirchen stehen, es "hundert Pro" eine ganze Menge zu Beichten gibt

 

 

 

 

Alle Fragen sind abgehakt – es ist akzeptiert: Wir haben uns vertan, wir zwei, wir haben uns verirrt. Was anfing wie im Bilderbuch, ging dann doch Richtung Groschenroman. Ich habe deine Briefe nie kapiert, und meine Lieder kamen nie bei dir an. Ein Hinterhof-Romeo zwischen Traumtanz und Realität. Eine ratlose Julia, die ihn seit Jahren nur noch mißversteht. Nur selten wurde zugehört, nach und nach kaum noch etwas gesagt. Am Ende nur noch resigniert, verdrängt, Illusionen gemacht. "Es ist alles im Lot. Warte ab, du wirst sehen: Alles wird gut, das kriegen wir schon hin!" Und ein zerknittertes Polaroid liegt hier auf dem Tisch vor mir und Papier, das grau und durchradiert ist. Es kam, wie es kommen mußte - "Alles im Lot". Ein Hinterhof-Romeo stiert seinen Zettel an, der immer noch leer. Er weiß, was er schreiben will, nur das "wie" fällt ihm ungewohnt schwer, denn alles ist längst gesagt. Viel zu oft drehten sie sich im Kreis. Nur, was sie ihm noch bedeutet, ist, was sie höchstwahrscheinlich nicht weiß. Er steht auf, geht runter zum Fluß und denkt: "Am Ende verrät mir es ja der Wind, wie ich es ihr sagen soll: Ich würde so gerne ihr Freund!"

 

 

  

 

 

 

Wer sagt denn, daß ich dich noch vermisse und ich hinge nur noch vor der "Kiste" (Fernseher)? Nächtelang – das ist wirklich nicht wahr. Nein, im Ernst, ich sage es dir, hör mit gut zu: Ab und zu sind andere Frauen da - ab und zu. Ja, ich komme schon klar. Gut, ich trinke jetzt ein paar Tropfen mehr. Doch was soll’s, es tut echt nicht mehr weh. Habe die ganze Bude renoviert – wurde auch Zeit – und ich sage dir: Hat sich rentiert! Hier ist nichts mehr, was zu tun hat mit dir – nur auf dem Flur das verstimmte Klavier. An und für sich denke ich kaum noch an dich. Gar kein Problem, ich habe alles "auf dem Schirm" (unter Kontrolle). An und für sich denke ich kaum noch an dich – an und für sich. Gut, ich habe länger nicht aufgeräumt und das Leergut könnte auch weg, stimmt. Aber nicht, daß man hier nichts mehr findet. Finde auch nicht, daß die Spülmaschine nach Mülleimer stinkt und der Lou Reed nach Beerdigung klingt. Was weiß ich, wovon der im Augenblick singt. Nobby sagt, es gäbe einen Typ, "wo" (mit dem) man dich neuerdings oft mit sieht. Denke jetzt nicht, daß mir das irgendwas macht. Jedenfalls, wenn der "läppisch" (frech) wird, ruf an, sag mir Bescheid. Ich komme gerne mal kurz mit einem Hammer vorbei und bringe ihm Manieren bei!

 

 

So sehen sie also aus die Kerle. Schau mal, einen Neger haben sie auch dabei! Schau mal auf dem Panzer der. Wenn es hochkommt, ist der achtzehn. Der hat uns befreit! Vor denen hatten sie uns gewarnt. Wieso haben wir bloß an all den "Driss"(Scheiß) geglaubt? Die Jungs haben etwas durchgemacht. Vom Kanal bis hier ist es weit, wenn man durch Minen läuft. Wo die herkommen ist jetzt Nacht. Die schlafen jetzt noch um die Zeit, jenseits vom Ozean. Die haben Häuser, höher als der Dom, da läuft den ganzen Tag nur Jazz im Radio. Es heißt, da wäre jeder gleich, egal, ob arm oder reich – Amerika. Und da kriegt jeder seine Chance, ein Paradies von einem Land – Amerika. Nein, Amis hier in unserer Straße. Jetzt sag nicht, du hättest es von Anfang an gewußt. "He Mister, hast du Schokolade?" Die Kinder hatten ihre Angst als erste abgelegt und sie angeredet. Was gäbe ich für eine Lucky Strike! Ich rauche nur noch Stroh seit einer Ewigkeit. Wohl dem, der so einen Krieg gewinnt, denn der kann Frauen haben für ein paar Nylonstrümpfe. Wo die herkommen haben sie es gut, da war keine einzige Stadt je von einer Bombe bedroht. Da drüben stehen alle Häuser noch. Da wird jeder satt, wird jeden Mittag warm gekocht.


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